148. BB: „Eine Plakataktion reicht da nicht“

(26.04.2017)

„Mädchen in untypischen Berufen“, das war das Thema des 148. Business Breakfast in den Räumen der Dachdeckerei Mende. Hier berichteten das Kompetenzzentrum Frau und Beruf, Bergisches Städtedreieck von seiner Arbeit – und Malermeister Andreas Conrad von seinen positiven Erfahrungen.

Was Unternehmen tun können, um Mädchen in untypischen Berufen zu fördern – und warum davon am Ende alle Seiten profitieren, darum ging es beim 148. Business Breakfast in den Räumen der Dachdeckerei Mende. Eingeladen hatte diesmal das Kompetenzzentrum Frau und Beruf, Bergisches Städtedreieck, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, kleine und mittlere Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern auf diesem Weg zu unterstützen. „Unsere Mission ist es, die Chancengleichheit von Männern und Frauen auf dem Arbeitsmarkt zu fördern“, machte Mitarbeiterin Christine Jentzsch gleich zu Beginn ihres Vortrags deutlich. „Frauen bringen ein unglaubliches Potenzial für die Wirtschaft mit sich, es muss nur gehoben werden. Deswegen müssen wir die Erwerbstätigkeit von Frauen quantitativ und qualitativ fördern.“

Konkret leistet das Kompetenzzentrum diese Arbeit mit drei Säulen: Es unterstützt und steigert die betriebliche Ausbildung von Mädchen in untypischen Berufen und hat dazu im vergangenen Jahr ein Netzwerk ins Leben gerufen, an dem sich viele Unternehmen und Institutionen beteiligen. Es steigert die Arbeitgeberqualität durch Maßnahmen, die die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Pflege fördern. Und es unterstützt aufstiegswillige Frauen.

Speziell auf die Arbeit des noch recht jungen Netzwerks ging Kompetenzzentrums-Mitarbeiterin Martina Völker in ihrem Teil des Vortrags ein. „Es gibt natürlich schon viele Initiativen, aber das Kompetenzzentrum bringt da noch einmal eine neue Qualität rein, indem es dieses Thema nach vorne bringt und dafür sensibilisiert.“ Gerade im Bergischen würden viele Ausbildungsberufe von Mädchen gar nicht erst in Betracht gezogen – und etwa die Hälfte aller Mädchen würden in für sie eher „klassischen“ Berufen landen. „Hinzu kommt, dass die andere Hälfte von ihnen nicht die Berufe wählt, die im Bergischen gebraucht werden“, sagte Völker.

Hier setzt das Netzwerk „Mehr Mädchen in MINT und Handwerk an“ – durch ganz konkrete Aktionen wie etwa dem Girls- and Boys-Day, an dem sich das jeweils andere Geschlecht einmal an einem eher untypischen Beruf ausprobieren kann. Hinzu kommen vertiefende MINT-Praktika, eine spezielle Berufsfelderkundung nur für Mädchen und die Seite bergisch-kompetent.de, auf der gute Beispiele von Mädchen und Unternehmen aufbereitet und dargestellt werden. Grundsätzlich könnten sich Mädchen zwar in jedem Beruf bewerben, dabei seien aber oft die Strukturen und Indikatoren nicht vorhanden, um sie auch wirklich von einer Ausbildung zu überzeugen. „Hier muss noch viel passieren. Eine Plakataktion reicht da nicht.“

Wie es in der Praxis ist, Mädchen aus Auszubildende im Betrieb zu haben, davon berichtete abschließend Malermeister Andreas Conrad, der seit 1990 insgesamt 17 Mädchen und 36 Jungs bei sich im Betrieb ausgebildet hat und drei seiner teils ehemaligen weiblichen Auszubildenden auch mit zum Business Breakfast gebracht hatte: „Ich bin nicht hier um zu belehren, sondern um aufzuzeigen was alles möglich ist.“ Als er sich vor fast 30 Jahren das erste Mal mit dem Gedanken beschäftigt habe, ein Mädchen als Azubi einzustellen, sei es vor allem darum gegangen, Vorurteile abzubauen – zum Beispiel mit Blick auf die Kundenakzeptanz, schwere körperliche Arbeit und die Arbeit bei Wind und Wetter. „Man muss da einfach neutral an die Sache herangehen und Neues wagen.“ So habe er von Beginn an nur positive Erfahrungen gemacht.

Vor allem das Beispiel einer Auszubildenden, die später noch ihr Studium nachgeholt und inzwischen an der Uni arbeitet wo sie gemeinsam mit ihm ein Mentorenprogramm entwickelt hat, hob Conrad hervor. „Ich kann sagen, dass ich viele Vorteile darin sehe, Frauen in einem Handwerksbetrieb zu beschäftigen. Das Betriebsklima ändert sich positiv, die Kommunikation wird besser und auch ihre Abbruchrate ist wesentlich geringer als die von Männern.“ Sein Fazit: Man muss etwas wagen, darf dabei auch vor Misserfolgen nicht zurückschrecken und muss im Zweifel eben noch einmal neu anfangen. „Ausbildung für Mädchen im Handwerk ist kein Hexenwerk, man muss es nur wollen.“

Anschließend lud Silvia Kramarz zum nächsten Business Breakfast am Donnerstag, 18. Mai, in den  Barmer Bahnhof ein. Dort präsentiert sich der Verein Schwebebahnlauf, dessen großer Event, der Schwebebahn-Lauf am 2. Juli dieses Jahres zum 5. Mal an den Start geht.