BB. 161 Die Insolvenz von Air Berlin

(31.08.2018)

Flug in die Insolvenz

Flug in die Insolvenz

Die Insolvenz von Air Berlin ist eine der größten in der Geschichte der Bundesrepublik und bewegt bis heute viele Gemüter. Doch was ist dort eigentlich schiefgelaufen? Das erfuhren die Teilnehmer des 161. Business Breakfast, zu dem die ATN d'Avoine Teubler Neu Rechtsanwälte geladen hatten.

Das gab es lange nicht mehr beim Business Breakfast: einen Gastgeber mit einem Thema, das nur indirekt mit ihm zu tun hatte. Entsprechend gespannt waren die zahlreichen Gäste am 31. August, die der Einladung der ATN d’Avoine Teubler Neu Rechtsanwälte in die Bembergstraße gefolgt waren. Dort, in einer charmanten Lagerhalle, ging es an diesem Tag um die Fluglinie Air Berlin – und um die Frage, was dort eigentlich schiefgelaufen ist und das Unternehmen in die Insolvenz geführt hat: „Erfolgreiche Sanierung oder Ausverkauf einer Fluggesellschaft?“.

Dr. Marc d’Avoine, Rechtsanwalt der auf Sanierung und Strukturierung spezialisierten Kanzlei, gab zunächst einen kleinen historischen Abriss, über die einst strahlende Marke. Gegründet 1978 in den USA, weil damals nur die Siegermächte Westberlin anfliegen durfte, 1991 mitsamt Firmensitz nach Deutschland verlegt, 2006 der Börsengang und zu Hochzeiten rund 170 eigene Flugzeuge mit mehr als 240 Zielen weltweit. Bei Air Berlin klang zunächst alles nach Erfolg.

Doch von Anfang an lief einiges nicht rund: Der Börsengang war nicht so erfolgreich wie gedacht und spielte deutlich weniger Kapital ein als geplant. Und bereits 2011 war das erste Mal von einer großen Restrukturierung die Rede, Strecken wurden gestrichen, Personal abgebaut. Etihad stieg ein und stockte seinen Anteil am Unternehmen kurze Zeit später von knapp drei auf fast 30 Prozent auf. Zahlreiche Kooperationen mit anderen Fluglinien und Partnerprogramme folgten. Air Berlin kämpfte verbissen darum, das Passagieraufkommen zu steigern und endlich in die Gewinnzone zu kommen.Wirklich gut sah das nur 2013 aus, in dem Jahr, als das Vielfliegerprogramm ausgegliedert wurde und erstmals einen zumindest kleinen Gewinn abwarf. Die Probleme indes blieben die gleichen – und führten dazu, dass im gleichen Jahr nur noch zehn Flugzeuge zum Eigentum von Air Berlin zählten. Schlimmer noch war der Verlust des Unternehmens. Er steigerte sich von Jahr zu Jahr, von 300 auf mehr als 700 Millionen Euro, 2016 wurde das Urgeschäft der Fluglinie eingestellt und Palma de Mallorca als Drehkreuz gestrichen. Spätestens ab hier konnten Anleger, Fluggäste und Konkurrenten dem Niedergang der einst strahlenden Marke beobachten.Endgültig besiegelt wurde dieser, als Etihad im August 2017 seine Unterstützung aufkündigte. Nur vier Tage später folgte der Antrag auf Insolvenz. Zunächst in Eigenverantwortung geplant, sah das Unternehmen sich schnell überfordert, die Prognosen waren negativ. Grundlegendes Problem der Fluglinie: Die Auslastung, die bei einem gesunden Unternehmen bei mehr als 90 Prozent liegen sollte, wurde nie erreicht. Sie schwankte mit den Jahren zwischen 80 und 85 Prozent und führte dazu, dass ein profitables Geschäft schlicht unmöglich war.

Entsprechend konsequent griffen die Insolvenzverwalter ein und übernahmen das Verfahren. Was dann folgte, war tatsächlich der Ausverkauf einer Fluglinie – und zwar ganz im Wortsinn. Um Verbindlichkeiten der Konzerngruppe von mehr als 5 Milliarden Euro wenigstens teilweise bedienen zu können – und das bei einem geschätzten verwertbaren Vermögen von etwa 88 Millionen Euro – wurde alles verkauft, was nicht niet- und nagelfest war: Nicht nur Merchandising-Artikel (die berühmten Schokoherzen sind sicher vielen im Gedächtnis geblieben), sondern auch Leasing-Verträge, Start- und Landerechte, Markenrechte und Internetseiten. Nichts blieb am Ende übrig. Und die verlorene Gradwanderung von Air Berlin endete in einer der größten Insolvenzen der Geschichte der Bundesrepublik, schloss Dr. Marc d’Avoine seinen Vortrag.