Nr. 93: NATIONAL-BANK AG

(08.06.2011)

Der Einfluss der Staatsschuldenkrise auf Wirtschaft und Euro

Bei strömenden Regen trafen sich die Wuppertaler Unternehmer zum 93. Business Breakfast im feinen Ambiente der NATIONALBANK-Niederlassung in der Elberfelder Bankstraße. Der Vorstandsvorsitzende Dr. Thomas A. Lange hatte die Zeit genommen, den Gästen, unter ihnen auch Oberbürgermeister Peter Jung, die Auswirkungen der europäischen Staatsschuldenkrise zu erläutern. Zuvor jedoch sprach Lange über die Rolle seiner vor 90 Jahren gegründeten Bank, die sich seit jeher und heute umso mehr der regionalen Mittelstandsfinanzierung verschrieben habe. Man wolle gemeinsam mit seinen Kunden wachsen – „genau wie Sie“ wandte er sich an seine Zuhörer. Die aktuelle Wirtschaftslage bezeichnete Lange als sehr gut, besonders nach dem äußerst erfolgreichen ersten Quartal in diesem Jahr. Für ihn sei deshalb die drei Komma x für das Wirtschaftswachstum 2011 „in Stein gemeißelt.“ Auch für die folgenden Jahre erwarte er ein Wachstum von über zwei Prozent.
Zur Staatsschuldenkrise in Irland, Griechenland und Portugal meinte Lange, dass die Ursachen in den betroffenen Ländern keineswegs monokausal zu sehen seien. Sicher seien die Gründe auch im Fehlen einer nachhaltigen Wirtschaftsstruktur zu sehen. Bei Irland sei aber in erster Linie der Zusammenbruch des Finanzsektors als Anlass für die dortige Krise zu sehen, während man bei Griechenland schon bei dessen Beitrittsgesuch Merkmale einer unsoliden Wirtschaft hätte erkennen können.
Natürlich sei die gemeinsame Währung ein Problem, aber es gebe keinen Grund für Kritik am Euro. Gerade die deutsche Wirtschaft habe erheblich von der Einführung des Euro profitiert. Aber zuviel Zeit sei vertan worden beim Schnüren der Pakete für die betroffenen Länder, kritisierte Lange. Dies habe private Investoren abgeschreckt, viele seien ausgestiegen. In jedem Fall sei die Staatsschuldenkrise keine Krise des nachhaltig stabilen Euro, und sie habe keine Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft. Gefahren sieht Lange eher in einer Verteuerung der Rohstoffe, dies wäre „eine große Herausforderung.“ Auch die schwächelnde Wirtschaft der USA könnte durch die globalökonomischen Zusammenhänge negative Auswirkungen haben. Den „robusten Aufschwung“ der nächsten vier bis fünf Jahren sieht Lange nicht gefährdet, aber er warnte auch: „Die nächste Krise wird kommen, aber sie wird anders sein!“ Dabei solle man jedoch das Wort Krise begreifen wie dessen chinesische Übersetzung: als Zusammensetzung von „Sorge“ und „Chance“.
Bei den anschließenden Fragen wies Lange die Idee eines Ausstiegs der Griechen aus dem europäischen Währungssystem entschieden zurück. Zur Situation Portugals, aber auch der gefährdeten Spanier zeigte sich Lange besorgt, aber zuversichtlich, mahnte in dem Zusammenhang jedoch Vorsicht gegenüber Italien an.
Für seinen informativen, spannenden und souveränen Vortrag erhielt Lange auch dieses Mal wieder großen Applaus.
Zum nächsten Business Breakfast nach der Sommerpause am 27. September lud Wolfram Deutsch ein. Ort ist die KARL DEUTSCH GmbH am Otto-Hausmann-Ring 101 in Wuppertal-Varresbeck.